con tutta forza - Bernd Alois Zimmermann - Ein persönliches Portrait

豆瓣
con tutta forza - Bernd Alois Zimmermann - Ein persönliches Portrait

登录后可管理标记收藏。

ISBN: 9783955930783
作者: Bettina Zimmermann
出版社: Wolke Verlag
发行时间: 2018
装订: Paperback
价格: 34,00 €
页数: 464

/ 10

0 个评分

评分人数不足
借阅或购买

Bettina Zimmermann   

简介

Bernd Alois Zimmermann zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Komponisten der Nachkriegszeit. „Die Soldaten“ sind mittlerweile eine der meistgespielten Opern der jüngeren Vergangenheit. Und dennoch ist über ihn nur wenig veröffentlich worden. Bislang auch keine Biografie. Diese Lücke hat nun ausgerechnet die Tochter Bettina Zimmermann geschlossen. Nach einer von ihrem Vater in seinen Partituren häufig geforderten Spielanweisung hat sie ihr persönliches Porträt benannt: „con tutta forza“. Mit aller Kraft hat sie sich von 2010 an, sieben lange Jahre, in dieses Projekt gestürzt. Denn die Zeit derjenigen, die ihren Vater noch erlebt hatten, ist mittlerweile begrenzt.
Die Zeit verrinnt und das Wissen, das die Leute, die Freunde weitergeben können, das ist auch begrenzt, in der sie das Wissen weitergeben können. Zumindest habe ich mich aufgerufen gefühlt, diejenigen aufzusuchen, die eben wissen, Erinnerung, Kenntnisse mit meinem Vater zusammengearbeitet haben, Interpreten waren, die aufzusuchen und gewissermaßen Stimmen zu sammeln und das Wissen aufzubewahren und hatte überhaupt nicht vor, das zu einem Buch zu machen, sondern eigentlich zu einer Sammlung. Also es war genau das, was ich relativ bald, als ich mit diesem Projekt angefangen hab, klar war, weil ich hab sogar überlegt, wie kann ich denn am besten dem Leben und der Person und der Arbeit meines Vaters gerecht werden, und am Anfang hatte ich sogar die etwas verschrobene Idee, das Buch formal überhaupt nur an dem zu orientieren, wie mein Vater gearbeitet hat. Also pluralistisch, Collage, simultan, man sollte auf Dokumente, auf Fundstücke stoßen, man sollte überrascht werden, also das war so die Idee.
Und dies ist auf über 450 Seiten überwältigend gelungen. In ihrem Vorwort schreibt Bettina Zimmermann vom „Fundus für eine zukünftige Biografie“. Und es ist ein gewaltiger Fundus aus Mitteilungen von Zeitgenossen und Weggefährten, mit liebevollen, heftigen und intensiven Briefen und zahllosen Bilddokumenten. Man entdeckt den Zeichner und Fotografen Zimmermann – Facetten des Komponisten, die bislang unbekannt waren. Und so ist das Buch doch das geworden, was die Tochter nur vorsichtig umkreisen wollte: eine Biografie. In ihr ist aber auch ein neuer Zimmermann zu entdecken. Zu sehr war das Bild des Komponisten bislang durch sein tragisches Ende, seine schwere Depression und seinen Selbstmord 1970 geprägt. Doch eine bedeutende Persönlichkeit lässt sich nicht in einem Bild einfangen. Das wusste schon der älteste Sohn Gereon als Kind.
Er hatte nämlich gesagt: „Dann mal ich Dich und dann bist Du im Bild“, und das war gar nicht nett gemeint, sondern eher so, ja dann kommst Du da auch nicht mehr raus, dann bist Du da drin gefangen. Und ich hatte halt genau auch diesen Eindruck, wie das Werk rezipiert wurde, auch die Person rezipiert wurde, dass das doch sehr einseitig war und dass ich bei allem Schweren, das ich auch erlebt habe im Leben meines Vaters bis zu seinem Tod, ich ihn als ungeheuer lustig und vital, lebendig und vielseitig in Erinnerung hatte. Und für mich ist es einfach wichtig, dieses Bild eben aufzubrechen, ihn nicht in einem Bild zu fangen, sondern einen Facettenreichtum zu eröffnen.
Mehr als nur ein Persönlichkeitsbild
Wie alle großen Biografien ist auch „con tutta forza“ mehr als nur ein Persönlichkeitsbild. Es ist das einer Epoche. In der Lebensgeschichte Bernd Alois Zimmermanns spiegelt sich die Zerrissenheit einer ganzen Generation, die jung zum Kriegsdienst gezwungen wurde; ihren Platz finden musste in der nicht weniger zerrissenen Nachkriegszeit. Man erfährt ungeheuer viel über die nationalsozialistischen, reaktionären und antimodernen Einstellungen im Kulturleben der Stadt Köln, wo Zimmermann seit 1958 an der Musikhochschule Komposition unterrichtete. Das Drama um die Uraufführung seiner einzigen Oper „Die Soldaten“ 1965 an der Kölner Oper liest sich wie ein Krimi. Ein Musikdirektor, der im Hintergrund intrigiert; ein Orchester, das Verweigerung übt; der Dirigent Michael Gielen, der den Komponisten und das Werk rettet und zu einem überwältigenden Erfolg führt. Mit den beiden Aufenthalten in der Villa Massimo 1957 und 1964 ersteht nicht nur das Bild von der deutschen Italiensehnsucht erneut, sondern auch das eines Roms, das es heute so nicht mehr gibt.
Am Ende ist es eine Leinwand, die schwarz gezeichnet wird. Die düsteren Spätwerke „Requiem für einen jungen Dichter“ oder die „ekklesiastische Aktion“ sind Utopie der Avantgarde im bittersten Sinne: Kunst und Leben werden in der abgrundtiefen Depression eins. Das Lebensschicksal Zimmermanns ist ein Spiegel des deutschen 20. Jahrhunderts. Das machen schließlich all die Dokumente und Aussagen der Zeitzeugen eindringlich klar: Es ist eine Jahrhundertbiografie.
Bettina Zimmermann ist keine Musikwissenschaftlerin. Ihr Buch ist Biografie ihres Vaters, nicht in erster Linie seines Werks. Und doch versteht man es mit ihm anders und neu. Ergänzt wird es am Ende mit kurzen Werkkommentaren von Rainer Peters. Sie bringen in bewundernswürdiger Knappheit, die Besonderheit der Musik Zimmermanns auf den Punkt. „con tutta forza“ ist damit das Buch zur Stunde über einen wirklich großen Komponisten, der am 20. März einhundert Jahre alt geworden wäre.

短评
评论
笔记